“Kindheitspädagogen müssen es mit ihrer Arbeit, ihrem Wissen und Forschen nicht allein bei Kindern belassen.”

Ich bin Kindheitspädagoge und arbeite als Betreuer mit vier Jugendlichen einer Wohngemeinschaft, bestehend aus Flüchtlingen und Deutschen, im Alter von 16 bis etwa 19 Jahren.

Mein Schwerpunkt in der Arbeit ist die Hinführung zur Verselbstständigung, Integration und zum interkulturellen Lernen. Dies nimmt bis jetzt 20 Stunden in der Woche ein. Die restliche Zeit widme ich mich meinem Master Studium der Sozialen Arbeit.

Besonders spannend an meinem Beruf finde ich die stetige Dynamik durch Individuen, mit dem Aufeinandertreffen mehrerer Nationalitäten in einem gemeinsamen Zuhause. Durch eine theoretisch teilstationäre Ausrichtung der Wohngemeinschaft, begeht man eine praktische Gratwanderung der ambulanten Einzelarbeit und der stationären Gruppenarbeit. „Das ist kein Kindergarten“.

Kindheitspädagogen müssen es mit ihrer Arbeit, ihrem Wissen und Forschen nicht allein bei Kindern belassen. Ja, dies entscheidet natürlich jeder für sich, aber auch Jugendliche und andere Pädagogen profitieren davon, dass frische Perspektiven und Herangehensweisen in die Praxis implementiert werden. Wir sind Hybride professioneller Alltagspragmatik und spezieller Theorie, wie ich finde. Viel zu oft müssen wir noch unsere Disziplin vor Experten, Professionen, Ämtern und Trägern verteidigen. Das liegt auch an Abwehrhaltungen, aber eher an Ahnungslosigkeit. Multiprofessionelle Teams für alle Altersstufen haben mir gezeigt, dass das gegenseitige Bereichern vor allem den Schützlingen dienlicher ist, statt eingeschnappte Revierkämpfe auf Mitarbeiterebene zu führen.

Ich möchte allen jetzigen und baldigen Kindheitspädagogen Mut machen, für die Qualität ihres Abschlusses einzustehen und diese zu nutzen. Arbeitgeber und Wissenschaften, die Kompetenzen der Kindheitspädagogen beschneiden möchten oder belächeln, sind gute Indikatoren dafür, dass ihnen selbst noch Kindheitspädagogen fehlen.

Moritz Alexander