Organisationsbezogenes Handeln in der Sozialpsychiatrie (CAS)
Sozialpsychiatrische Arbeit braucht Strukturen, die Teilhabe ermöglichen. Das Certificate of Advanced Studies (CAS) Organisationsbezogenes Handeln in der Sozialpsychiatrie vermittelt Ihnen die Kompetenzen, Organisationen im Spannungsfeld von sozialpolitischen Entwicklungen, fachlichen Anforderungen und individuellen Bedürfnissen wirksam zu gestalten.
Sie lernen, sozialpsychiatrische Angebote im Sozialraum zu überblicken, Kooperation und Vernetzung aufzubauen sowie moderne, personenzentrierte Leistungen zu entwickeln. Ein Schwerpunkt liegt auf der Stärkung von Selbstbestimmung, der Reduzierung von Zwang und Gewalt und der Beteiligung an Struktur- und Gemeinwesenentwicklungen.
Das CAS richtet sich an Fach- und Leitungskräfte, die in psychiatrischen Organisationen und Diensten tätig sind und ihre Handlungskompetenzen im organisationalen Kontext erweitern möchten.
Im CAS erwerben Sie 24 ECTS, die vollständig auf den Master of Advanced Studies (MAS) Sozialpsychiatrie sowie auf den akademischen Masterstudiengang Soziale Arbeit angerechnet werden können. Besonders flexibel: Wenn ein erster akademischer Abschluss vorliegt, ist ein direkter Einstieg ins dritte Semester des fünfsemestrigen Masters möglich. Der MAS setzt keinen Hochschulabschluss voraus.
Aufbau & Inhalte
Jeder Zertifikatskurs (CAS) beginnt mit einem Onboarding-Termin, der Ihnen einen ersten Überblick vermittelt und Sie auf die bevorstehenden Inhalte sowie die Arbeitsweise vorbereitet.
Der Kurs ist in drei thematische Blöcke gegliedert, die jeweils als Nano-Module gestaltet sind. Jedes Modul umfasst zwei Online-Seminare und vier Präsenztage.
Ergänzt wird das Programm durch flexible Selbstlernphasen, in denen Sie Fachliteratur lesen, Aufgaben bearbeiten und sich auf die kommenden Module vorbereiten. In Peer-Gruppen haben Sie zudem die Möglichkeit, sich mit anderen Teilnehmenden auszutauschen und das Gelernte gemeinsam zu reflektieren.
Das Zertifikatsstudium schließt mit einem unbenoteten Lernportfolio ab, das Beiträge aus den Nano-Modulen bündelt – mit Fokus auf Praxisbezug, Reflexion und wissenschaftliche Fundierung, ohne klassische Prüfungen.
Wissen und Handlungskompetenz in Versorgungsformen der Sozialpsychiatrie
Anforderungen konzeptioneller Ausgestaltung sozialpsychiatrischer Angebote (u.a. in stationsäquivalenter Behandlung, besonderen Wohnformen, Assistenzleistungen, Soteria)
Sozialraumorientiertes Handeln in der Eingliederungshilfe und im Bereich des SGB V
Kooperation, Vernetzung, sektorübergreifende Versorgung und Zusammenarbeit in der Sozialpsychiatrie (u.a. GPV, PSAG etc.)
Ambulantisierung/Regionalisierung der Sozialpsychiatrie
Rahmenvorgaben und Handlungsmöglichkeiten zur Prävention von Zwang und Gewalt (u.a. mit Blick auf PsychKG, UN-BRK, Wunsch- und Wahlrecht im SGB IX)
Etablierung deeskalierender und offener Kommunikation, lösungsorientierte/systemische Gesprächsführung und Leistungsgestaltung in Organisationen
Qualifikationsziele
- Sie kennen aktuelle Versorgungsformen und -angebote der Sozialpsychiatrie in ihren jeweiligen An- und Herausforderungen mit Blick auf die Stärkung von Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen/Erkrankungen.
- Sie sind in der Lage, Angebote der Sozialpsychiatrie mit Fokussierung der Ziele Teilhabe und Selbstbestimmung zu entwickeln und kritisch reflexiv zu gestalten.
- Sie sind in der Lage, die Rolle der Professionen in den einzelnen Versorgungsangeboten und die Vernetzung der Angebote in den verschiedenen SGB-Bereichen nachzuvollziehen. Sie können vor diesem Hintergrund Ihr Handeln multidisziplinär und sektorübergreifend ausrichten.
- Sie kennen aktuelle Rahmenvorgaben und Handlungsmöglichkeiten zur Prävention von Zwang und Gewalt in den verschiedenen Angeboten der Sozialpsychiatrie, insbesondere im Bereich des SGB V und SGB IX.
- Sie sind in der Lage, die organisatorischen Herausforderungen zur Gestaltung einer gewalt- und zwangfreien Psychiatrie zu erkennen sowie mögliche organisationsbezogene Entwicklungen zu benennen und anzustoßen, um die Prävention von Zwang und Gewalt zu stärken.
- Sie verfügen vor diesem Hintergrund über Kompetenzen deeskalierender und offener Kommunikation sowie lösungsorientierter und systemischer Gesprächsführung, um Leistungen in Organisationen entsprechend zu gestalten.
- Sie sind mit dem Konzept Sozialraumorientierung und seiner Relevanz für das Handlungsfeld der Sozialpsychiatrie vertraut.
- Sie können sozialpsychiatrische Angebote sozialraumorientiert gestalten und berücksichtigen in diesem Zuge die feldspezifische Bedeutung von Kooperation, Vernetzung und sektorübergreifender Versorgung.
- Sie können das Konzept Sozialraumorientierung im Kontext der Ziele der Ambulantisierung und Regionalisierung nachvollziehen und in Ihrem Praxisfeld systematisch reflektieren sowie daraus folgend praktische Handlungsschritte umsetzen.
Zielgruppe
alle Berufsgruppen, die in psychiatrischen Organisationen und Diensten tätig sind
Dozierende
Wissenschaftliche Leitung:
Prof. Dr. phil. Yvonne Kahl ist Sozialarbeiterin (B.A./M.A.), Fachsozialarbeiterin für klinische Sozialarbeit (CSW-ECCSW), Klinische Mentorin (CSW-ECCSW) und systemische Beraterin (DGSF/DGfB). Ihre Dissertation hat sie an der Universität Siegen am Department für Erziehungswissenschaft und Psychologie zum Thema ‚Inklusion und Teilhabe aus der Perspektive von Menschen mit psychischen Erkrankungen‘ verfasst.
Sie blickt auf Praxiserfahrungen in unterschiedlichen sozialpsychiatrischen Kontexten zurück und war unter anderem als Leitung eines Inklusionsprojektes in einem Sozialpsychiatrischen Zentrum sowie für die LVR-Kliniken in der strategischen Entwicklung personenzentrierter und teilhabestärkender Angebote tätig. Als Professorin widmet sie sich an der Fliedner Fachhochschule seit 2018 in Lehre und Forschung schwerpunktmäßig den Themen Sozialraumorientierung und Teilhabe im Kontext von Behinderung und Gesundheit.
Weitere Dozierende:
Prof. Dr. phil. Miriam Bredemann, Supervisorin M.A. (DGSv), Diplom-Sozialpädagogin, Soziale Verhaltenswissenschaftlerin B.A., ist seit 2023 Professorin für Methoden der Sozialen Arbeit, Supervision und Beratung an der Fliedner Fachhochschule Düsseldorf. Sie hat zur Geschlechterdimension in der Supervision geforscht.
Der Schwerpunkt ihrer langjährigen beruflichen Tätigkeit als Sozialpädagogin lag im Arbeitsfeld der Sozialpsychiatrie. Unter dem Dach des Sozialpsychiatrischen Zentrums arbeitete sie in den Bereichen der Kontakt- und Beratungsstelle und des ambulanten Betreuten Wohnens. Nebenberuflich hat sie um die Jahrtausendwende die „Sozialpsychiatrische Zusatzausbildung“ (AGpR) absolviert, in der sie in den letzten zehn Jahren die Ausbildungssupervision durchgeführt hat. Als Supervisorin berät sie Leitungskräfte und Mitarbeitende, insbesondere auch Mitarbeitende des Peer Counselings, im Kontext von sozialpsychiatrischen Unterstützungsangeboten.
Gastdozierende:
Manfred Becker, Dipl.-Psychologe: War für den Kölner Verein für Rehabilitation e. V. von 1983 bis 2021 als Mitarbeiter des Psychosoziale Dienstes (PSD) – später umbenannt in Integrations-Fachdienst IFD – im Team Berufsbegleitung tätig. Im PSD / IFD war er in den 80ern neben der Alltagsarbeit aktiv mit der Landes- und Bundes-Politik verbunden. Er ist langjährig aktiv in der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie / u.a. im Fachausschuss Arbeit, im Paritätischen Wohlfahrtsverband NRW und in der Bundesarbeitsgemeinschaft Unterstützte Beschäftigung. Er war in verschiedenen Projekten zum Thema berufliche Teilhabe beschäftigt, vier Jahre hauptamtlich im Projekt „Teilhabe an Arbeit und Beschäftigung“ der Aktion psychisch Kranke im Auftrag des BMAS. Er arbeitet bis heute stundenweise für den Kölner Verein und die ProjektRouter gGmbH Köln (betriebliche Beschäftigung für Menschen mit Behinderungen). Zudem ist er in der Redaktion der Zeitschrift „Psychosozialen Umschau“, publiziert regelmäßig zu Themen beruflicher Teilhabe und ist als Referent und Projekt-Berater tätig. Seit 2008 ist er Kommunal-Politiker mit Schwerpunkt berufliche Teilhabe und Psychiatrie.
Matthias Reuter, M.A. Systemischer Berater: systemischer Familienberater und Soziotherapeut, mit „Sozialpsychiatrischer Zusatzausbildung“ (AGpR). Er ist neben- und freiberuflich als Supervisor, Trainer und Berater tätig. Darüber hinaus begleitet er als Ausbildungssupervisor die Sozialpsychiatrische Zusatzausbildung (SpZA). Sein hauptberufliches Standbein ist die Leitung und Koordination des Sozialpsychiatrischen Zentrum in Köln-Porz, mit Personal- und Budgetverantwortung. Sein berufspraktischer Weg in der Sozialen Arbeit führte ihn über die Bereiche der offene Kinder- und Jugendarbeit, Streetwork, Einzelfallhilfen der Jugendhilfe (SPF und INSPE) und einem Stadtteilprojekt. Die Leidenschaft für die Sozialpsychiatrie entstand 2012 durch die langjährige Arbeit im sogenannten „Ambulant betreuten Wohnen“ (BeWo)
Nils Greve, Diplom-Psychologe, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Lehrender für systemische Therapie und Beratung (SG): hat mehr als vier Jahrzehnte in psychiatrischen Kontexten gearbeitet, davon 32 Jahre in der Gemeindepsychiatrie (Psychosozialer Trägerverein Solingen). In der therapeutischen Arbeit mit Betroffenen und ihren An- und Zugehörigen war er von Anfang an mit systemischen Konzepten vertraut und hat sich für kollaborativ-dialogische Ansätze und insbesondere den Offenen Dialog engagiert. Daneben ist er seit vielen Jahren fachpolitisch tätig, unter anderem von 2017 bis 2025 als Vorsitzender und seitdem als Vorstandsmitglied des Dachverbands Gemeindepsychiatrie. Nach der Leitung des erfolgreichen, vom Innovationsfonds geförderten GBV-Projekts ist die Vernetzung aller psychiatrischen Hilfen unter Einbeziehung der Klient*innen und Angehörigen einer seiner Schwerpunkte. Er ist Autor zahlreicher Beiträge in Fachbüchern und Fachzeitschriften sowie Dozent in Ausbildungen für Psychotherapeuten.
Stefan Corda-Zitzen, Geschäftsführer der PHG Viersen gGmbH (Sozialpsychiatrisches Zentrum), Vorsitzender der Rheinischen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e.V. (RGSP) und Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeindepsychiatrischer Verbünde e.V. (BAG GPV): Er ist seit 1998 in der PHG tätig, arbeitete zuvor in der Bewährungshilfe Mönchengladbach, LVR Klinik Viersen (Forensik) sowie LVR Klinik Mönchengladbach (Akutaufnahme/ Entgiftung). Bis 10.2025 war er Geschäftsführender Vorstand der DGSP (Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie).
Daniel Heinrichs, Fachreferent für Pflege im Landschaftsverband Rheinland, hat katholische Theologie und Philosophie studiert und eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger in einem großen somatischen Krankenhaus am Niederrhein absolviert. Beruflich tätig war er dann immer im akutpsychiatrischen und forensischen Kontext – dies in verschiedenen Rollen und hier an der Uniklinik in Bonn und der Kölner und Bonner LVR-Klinik; berufsbegleitend Studien der Psychischen Gesundheit in Bielefeld. Zuletzt war er tätig als Pflegedienstleitung der Allgemeinpsychiatrie in der Bonner LVR-Klinik und in einem pflegewissenschaftlichen Projekt in den UPK Basel. Tätig ist er als Dozent in der Erwachsenenbildung und hier besonders auch bei der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie. Er ist Vorstandsmitglied der gemeindepsychiatrisch ausgerichteten Stiftung Psychiatrische Hilfsgemeinschaft Rheinland.
Anna von Itter, Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin B.A., ist in den letzten Zügen ihres Masterstudiums in Sozialer Inklusion (Bildung & Gesundheit) an der Evangelischen Hochschule in Bochum. Sie ist Lehrbeauftragte an der Hochschule Düsseldorf im Lehrgebiet Sozialmedizin und lehrt in der Veranstaltung „Akzeptierende Drogenarbeit“. Anna von Itter ist derzeit bei der Düsseldorfer Drogenhilfe im Bereich der Überlebenshilfe beschäftigt. Davor hat sie beim Sozialpsychiatrischen Dienst in Düsseldorf gearbeitet. Dort war sie zuständig für sucht- und psychisch erkrankte Menschen, die ohne festen Wohnsitz sind.
Eric Vogt, kommissarischer stellvertretender Pflegedirektor an der LVR-Klinik Mönchengladbach, promoviert derzeit an der Universität Witten/Herdecke. Er verfügt über einen Masterabschluss in Gesundheitsmanagement und einen Bachelorabschluss in Gesundheitsökonomie sowie eine Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger und systemischer Berater. Mit langjähriger Erfahrung in verschiedenen Fachbereichen der Psychiatrie und umfassender Managementexpertise verantwortete er u. a. die Stabsstelle Transsektorale Modellversorgung im Globalen Psychiatriebudget. Sein Profil verbindet wissenschaftliche Fundierung mit strategischer Organisationsgestaltung und praxisnaher Führungskompetenz.
Sabine Hartmann, Dipl.-Soz-Päd (FH), M.A. Sozialmanagement, systemische Beraterin in Weiterbildung und Fachkraft für tiergestützte Intervention, war jahrelang aktiv im Vorstand der Rheinischen Gesellschaft für soziale Psychiatrie und arbeitete in unterschiedlichen Forschungsprojekten mit. Seit 2002 ist sie in den Sozialpsychiatrischen Hilfen der Kaiserswerther Diakonie in einer besonderen Wohnform für junge Erwachsene mit psychischen Erkrankungen tätig. Seit 2009 ist sie Einrichtungsleitung und seit 2010 Fachbereichsleitung. Sie bringt Erfahrungen in der Projektarbeit mit, ist Multiplikatorin in der Prävention gegen sexualisierte Gewalt und Safewards-Trainerin. In diesem Zuge ist sie verantwortlich für die Implementierung von Safewards in der Übergangseinrichtung „Altes Pastorat“ der Kaiserswerther Diakonie.
Dr. med. Wassili Hinüber hat von 1973-1982 Humanmedizin an der Uni Kiel und Würzburg studiert. Von 1983 bis 1999 war er in der LVR-Klinik Düren ärztlich tätig, zuletzt als Oberarzt. Er baute in diesem Zuge die erste ausgelagerte Tagesklinik des LVR auf, war Mitbegründer des Vereins „Die Kette e.V.“, ist seit 2010 1. Vorsitzender sowie seit 1995 Konsiliarpsychiater an der JVA Aachen. Von 1998 bis 2012 war er Oberarzt am Alexianerkrankenhaus Aachen und verantwortlich für die Öffnung des Akutbereichs. Er hatte in dieser Zeit den Vorsitz im PsAG Kreis Aachen, war als Dozent an der KATHO Aachen und für Fachpflege in Neuss tätig. Von 2012 bis 2017 baute er ein Soteria-Haus am Psychiatrischen Krankenhaus Vianobis Gangelt auf. Von 2018 bis 2025 bot er Gruppentherapie in Psychiatrischer Praxis an.
Anmeldung
Das Certificate of Advanced Studies Organisationsbezogenes Handeln in der Sozialpsychiatrie wird derzeit überarbeitet.
Anrechenbarkeit
Dieser Zertifikatskurs (CAS) ist Teil des Master of Advanced Studies (MAS) Sozialpsychiatrie.
Die erlangten ECTS können vollständig auf den Master of Advanced Studies (MAS) sowie den akademischen Master Soziale Arbeit, M.A. angerechnet werden.
